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CATARINA wurde 1889/90 auf der Werft von Johann Brandt in Neuhof (am Köhlbrand gegenüber von Altenwerder) gebaut. Die Werft bestand von 1874 bis 1910. In dieser Zeit sollen insgesamt sechs untereinander ähnliche hölzerne Ewer für Altenwerder Fischer gebaut worden sein, von denen CATARINA der letzte war, zugleich wohl der letztgebaute Fischer-Ewer überhaupt. Obwohl CATARINA von ihrer Gesamterscheinung her als Fischer-Ewer anzusprechen ist, hat die Kutter-Form doch an mehreren Punkten schon ihren Niederschlag in diesem letzten Ewer gefunden. So hat man sie statt mit dem typischen Spiegel mit einem überhängenden Kutter-Heck versehen und installierte statt der damals altmodisch werdenden Seitenschwerter ein eisernes Mittelschwert in ihrer Bünn. Sie war von vornherein mit einem niedrigen  Besanmast versehen wie ein  Finkenwerder Fischer-Ewer, während die  Altenwerder FIußschiffer das einmastige Rigg bevorzugten


Hauptsächliches Arbeitsgebiet der CATARINA war die Hamenfischerei auf der Elbe.

Diese Art Fischerei wird vom ankernden Schiff ausgeübt - die Gezeitenströme sorgen hier für die Durchströmung der Netzsäcke (Hamen), die der Seefischer mit der Eigenbewegung seines Schiffes erzeugen muss. Bei dem immensen Fischreichtum der Elbe in jenen Jahren war die Hamenfischerei ein lohnender Erwerbszweig, der von hunderten segeltragender Elbfischerfahrzeuge ausgeübt wurde.  Anders als die kleineren Fahrzeuge konnte CATARINA jedoch in den Sommermonaten, wenn die Flussfischerei gerade nicht lohnte, zur Küstenfischerei auf Plattfisch oder zur Krabbenfischerei im Watt eingesetzt werden. Bis 1960 blieb der Ewer im Besitz der Familie Rübcke; nach seinem Verkauf an die Weser wurde er dort erneut zur Hamenfischerei eingesetzt. Bis zu seiner Stilllegung 1975 war das Schiff fast ununterbrochen im gleichen Erwerbszweig tätig gewesen. Zurückgehende Fangerträge wegen Wasserverschmutzung der Weser, Krankheit des Eigners und schließlich das Alter des Schiffes waren der Grund für den vorzeitigen Verkauf.

Glücklicherweise fand sich im Kreise des gerade neu gegründeten ,Museumshafen Oevelgönne e.V." relativ schnell ein finanzkräftiger Interessent, der schon lange ein derartiges Schiff gesucht hatte. 1976 kam CATARINA zurück nach Hamburg und wurde 1977/78 auf der Werft von Jochen Behrens in Finkenwerder grundlegend restauriert. Dabei mussten das Deck samt Decksbalken, das Heck, Bünn und große Teile der Seitenbeplankung erneuert werden. Denn im Gegensatz zum HERMANN sollte dieser Ewer wieder segeln und voll seetüchtig sein, so dass alte Bausubstanz nicht im Rumpf belassen werden konnte, wenn sie ungenügende Festigkeit aufwies. So wurde die Summe der erneuerten Hölzer letztlich größer als die Reste an altem Baumaterial.

Abgesehen von der Maschinenanlage, auf die heutzutage nicht mehr verzichtet werden kann, ist CATARINA sehr weitgehend in ihrer ursprünglichen Form und Ausrüstung wiederhergerichtet worden. Obwohl eine gelegentliche private Nutzung des Schiffes vorgesehen war, hat man hier alle praktischen Erwägungen der ursprünglichen Gestalt des Schiffes unterzuordnen versucht. So erhielt auch das restaurierte Schiff wieder Bünn und Mittelschwert, das niedrige Logis mit Kohleofen und Schiebetüren vor den Kojen, Pinnensteuerung, Steuergang und Nachthaus etc.

Im Juli 1978 lief der prächtig wiederhergerichtete Ewer zum zweiten Mal vom Stapel, unter großer Anteilnahme übrigens der Altenwerder und Finkenwerder Fischer. Schon wenige Wochen später wurden zum ersten Mal wieder Segel gesetzt, um nach Norden zu reisen und am großen Segelschifftreffen in Oslo teilzunehmen. Vor zahlreichen internationalen Teilnehmern wurde CATARINA hier als bestrestauriertes Veteranenschiff ausgezeichnet und erhielt einen Wanderpreis, der vorher verschiedenen skandinavischen Schiffen verliehen worden war.

In den Sommermonaten ist CATARINA seither im Museumshafen Oevelgönne (Hamburger Elbufer hinter Neumühlen) zu besichtigen.

1889/99 in Neuhof (Köhlbrand) auf der Werft von Johann Brandt als letztes Fahrzeug dieser Art gebaut. Auftraggeber war der Elbfischer Hans Rübcke aus Altenwerder, in dessen Familie der Ewer bis 1950 blieb. Baupreis des bloßen Rumpfes 4800 Mark, fertig ausgerüstet (ohne Netze) 6490 Mark. Abweichend von den früheren Altenwerder Fischerewern wurde CATARINA mit einem überhängenden Kutterheck gebaut, bekam statt der Seitenschwerter ein eisernes Mittelschwert (in der Bünn) und erhielt einen kleinen Besanmast. 1928 erhielt der Ewer seine erste Maschine; um deren Gewicht tragen zu können, hat man achtern die Bünn etwas verkürzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die ursprünglich kantige Kimm nachträglich rundgeplankt. Bis Ende 1975 war CATAR1NA noch als Fischerfahrzeug auf der Weser in Fahrt, wurde 1976 nach Hamburg zurück verkauft und 1977/78 in Finkenwerder restauriert.

Länge ü.A: 16,10m
Länge im Boden: 11,10m
Breite 4,68 m
Tiefgang: 1,25 m (ohne Schwert); 2,65 m (mit Schwert)
Vermessung; 37,8 m3 brutto, 7,8 m3 netto
Segel fläche: 122 m2 (total)
Besatzung: 2 Mann
Baumaterial: Gesamter Schiffskörper aus Eiche (auch Bodenplanken), lediglich Deck aus Nadelholz
Anzahl der Planken (mittschiffs): 10, davon 2 als Kahnplanke
Querschnitte einzelner Inhölzer: Spanten 14 x 10 cm, neben der Bünn in Abständen von 60 cm
Balkweger mittschiffs 33 x 6 cm. Decksbalken je nach Breite des Rumpfes von 9,5 x 10,5 cm bis 13 x 10 cm, vor und hinterm Großmast 12 x 28 cm
Durchmesser des Großmastes im Deck: 30cm
Kantenlänge des Mittelschwertes: 1,80m
Liegeplatz (Sommersaison): Museumshafen Oevelgönne.*

 

Quelle:
„Segler im Gezeitenstrom“ v. Joachim Kaiser
Verlag Egon Heinemann, 2te Auflage 1979
(Mit freundlicher Genehmigung von Joachim Kaiser)

*Anmerkung des Webmasters: Der Liegeplatz ist seit Sommer 2008 der Sandtorhafen